Mit 15 trat ich der Deutschen Kakteengesellschaft
bei, und war nun voll im `Millieu´. Es folgte der Beitritt in die Mühldorfer
Ortsgruppe.
Zu Beginn meiner Lehre als Gärtner in einem
Zierpflanzen/Gemüse orientierten Betrieb eröffnete sich eine völlig
neue Perspektive der Kulturmöglichkeit, und ich durfte in eines der Gewächshäuser
mit meinen Pflanzen ein freies Eck besetzen. Außerordentlich rasch mußte
ich leider feststellen, daß der zuvor reichliche Platz doch nicht so groß
war, und mußte bereits selektieren. Leider zog es mich von Haus aus zu
sparrigen bei Sammlern eher unbeliebten Kakteen hin, wie Säulen der
ausgefallenen Arten, Ferocacteen, aber auch `handsameren´ Formen wie
Lobivien, Echinocereen, Thelocacteen... und,und,und. Sowie nicht zuletzt
die stets reichlich vertretenen Opuntienartigen.
Bedingt durch meine berufliche Ausbildung waren mir
bei meinen Beobachtungen jedoch noch gewisse Grenzen gesetzt, und
ich konnte meine gesamte Aufmerksamkeit erst nach erfolgreicher
Beendigung der Lehre auf meine Leidenschaft richten.
1987 gründete ich zusammen mit HANS-PETER THOMAS
und einigen anderen Opuntienfreunden den Ringbrief `Tephrocactus´, und
es wurden rege Erfahrungen und Pflanzen ausgetauscht. Durch Inserate und
Freunde lernte ich viele Liebhaber aus aller Welt kennen, die meine
Leidenschaft teilten, und ich mir im Laufe der Jahre ein umfangreiches
Wissen aneignen konnte.
Mit 18 Jahren hatte ich eine wunderbare Sammlung
zusammen getragen, und hatte so eine Art `Höhepunkt´ erreicht. Aber
bereits im darauffolgenden Winter 88/89 wurde die Ruhe apprupt zerstört,
als ich erst im Januar feststellen mußte, daß die Heizung bis dahin
nicht in Betrieb war, und es teilweise schon empfindlichen Frost gegeben
hatte. Ich war zu dieser Zeit beim `Stempeln´, und konnte es nicht früher
bemerken., Viele Pflanzen, besonders die Kälteempfindlichen Arten von
Arrojadoa, Arthrocereus oder Brasiliopuntia zeigten großen Schaden, auch
gingen erst Monate später noch ettliche Pflanzen ein. Ich war am Boden
zerstört, und wollte alles aufgeben, da ich nicht wußte, wohin mit
meinen Pflanzen. Ein guter Freund, und gleichzeitig eine Art `Lehrherr´
für Kakteen, ALBERT PLAPP, schlug mir schließlich vor, die komplette
Sammlung zu ihm in den 80km entfernten Keller zu transportieren, und
abzuwarten. Gesagt, getan. Wir fuhren mit einem Kombi zur Gärtnerei und
hatten lange zutun, zumal einige Pflanzen die Zentnergrenze bereits überschritten
hatten. Im darauffolgendem Frühjahr schließlich beschloß ich, nach
sehr langem Überlegen, die Sammlung bis auf die Opuntienartigen völlig
aufzulösen, was ich aber im Nachhinein bitter bereute. Ich trennte mich
von diversen und seltenen Hybriden, vielen blühenden Ferocacteen,
Echinocereen, und,und,und...
Aber ich war konsequent. Im Frühjahr wieder in das
alte Heim eingezogen, stellte ich den klärglichen Rest von etwa 150
Pflanzen auf den alten Platz. Ich konnte mich so jedoch sehr gut auf
diese Pflanzengruppe konzentrieren, und sehr gute Erfolge verzeichnen.
Bereits 2 Jahre später war der Platz wieder völlig ausgefüllt.
Nach einigen Unstimmigkeiten mit meinem damaligem
Arbeitgeber konnte ich die Gärtnerei wechseln, und durfte auf dem neuen
Firmengelände mein erstes eigenes Gewächshaus aufstellen. Damals war
ich 23 Jahre alt. Es folgte
noch ein kleines Gewächaus sowie ein etwa 20m2 großer Folientunnel. Ich
bin gerade dabei meine Sammlung neu zu registrieren, und gespannt,
wieviele Pflanzen inzwischen bei mir `Asyl´gefunden haben. Die 1000er
Grenze hatte ich aber schon vor langer Zeit bereits überschritten.
Warum ich das Buch `Tephrocactus und andere
Feigenkakteen´ geschrieben habe? Nun,
es fing mit meiner ersten Spiegelreflexkamera an, die ich damals
spottbillig gebraucht bekam. Es war eine Praktika. Ich fotografierte
alles, was irgendwie nach Kaktus roch. Die Opuntienartigen wurden von
anfangan katalogisiert, und bei erreichen der Blühfähigkeit genauestens
beschrieben. Ein Ordner mußte her, der sich im Laufe der Jahre füllte,
und füllte... Eigentlich bin ich nie ohne meinen Ordner auf
Veranstaltungen oder Besuchen bei Kakteenfreunden gesehen worden. Tja,
und eines Tages fügten sich gleich mehrere Schicksale zu meinen Gunsten,
und ich lernte meinen Layouter des Buches kennen. Herrn PÖSCHEL. Die
Arbeit an meinem Buch machte uns beiden riesen Spaß, und zusammen mit
seiner Frau GERTI PÖSCHEL bildete sich eine richtige Freundschaft, und
wir haben weiterhin regen Kontakt. Mein ehemaliger, bereits überquellender
Ordner war von Anfangan Grundlage des Buches, und ich hoffe, daß sich
die Jahrelange Arbeit und Beobachtungen zu dieser wunderbaren
Pflanzengruppe gelohnt hat.
Es soll aber nicht heißen, daß ich so ein
eingefleischter `Spezialist´bin und alle anderen Kakteen ablehne. Nein,
im Gegenteil. Ich säe jedes Jahr einige hundert Kakteensorten der
verschiedensten Gattungen aus, die ich zum Tausch oder Verkauf anbiete,
mir aber von jeder Sorte 2 Pflanzen behalte. Ich kann es halt einfach
nicht lassen.
Opuntien werden aber nichts desto trotz immer im
Vordergrund stehen....
Michael Kießling